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Denken im öffentlichen Raum.

She leads with Soul Notes & Buchprojekte

Buch-
projekte

Buchprojekte in Entwicklung

"Die funktionierende Frau ist nicht gesund -
High Performance als Traumaantwort."

Über Anpassung, Leistung und Integrität jenseits von Funktionieren.
Manuskript in Entwicklung.

"Dear Mama, Dear Grandmama, I would love to know more about you."
Ein generationenübergreifendes Freundschaftsbuch weiblicher Weisheit.
In Arbeit.

She leads with Soul -
Writing

Reflections on living and leading in congruence.
 

Essays im öffentlichen Diskursraum von She Leads with Soul.
 

Ausgewählte Essays erscheinen hier und auf Medium.
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Vertiefende Reflexionen erscheinen in
She Leads with Soul – Letters.
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She leads with Soul - Writing

Ich & mein Kontroll-freak im Gespräch

Ich und mein Kontrollfreak im Gespräch -
Ein stilles Gespräch mit dem Chaos & meinem inneren Kontrollfreak.

Es gibt Tage, da möchte ich einfach nur wissen, wie es ausgeht. Wie lange es noch dauert. Ob’s klappt. Wann endlich diese eine Sache … funktioniert. Ich hätte dann gern bitte eine Glaskugel, einen Step-by-step-Plan und die Versicherung, dass alles gut wird. Ich mein – ich bin Stier mit Löwe-Aszendent. Ich mag’s strukturiert. Stabil. Schön bitte. Und ich hab da diesen kleinen Kontrollfreak in mir, der sehr überzeugt ist, dass es besser läuft, wenn ich die Zügel in der Hand halte. Und manchmal … stimmt das ja auch. Aber eben nicht immer. Denn das Leben? Das schert sich wenig um Horoskope, To-do-Listen oder Zeitpläne. Es kommt, wie es kommt. Manchmal still. Manchmal brausend. Manchmal alles auf einmal. Und dann sitz ich da – mit meinem liebevoll geplanten Ablauf – und das Leben sagt einfach nur: „Süß. Aber nein.“ Also habe ich gelernt: Ich kann das Leben nicht kontrollieren. Aber ich kann Verantwortung übernehmen. Für meinen Blickwinkel. Für meine Präsenz. Für meinen nächsten, kleinen Schritt. Ich kann entscheiden, wie ich atme, wie ich spreche, wie ich bleibe – auch wenn alles wackelt. Verantwortung ist kein starres Müssen. Es ist ein inneres Ja. Zu mir. Nicht alles liegt in meiner Hand – aber ich liege in meiner. Und das ist genug. Ich frage mich: Wo darf ich heute loslassen? Und wo darf ich mich aufrichten? Ich kann den Wind nicht ändern. Aber ich kann meine Haltung wählen. Und manchmal – auch einfach mal den kleinen Kontrollfreak sanft streicheln und sagen: „Danke für deine Fürsorge. Aber heute tanzen wir mit dem Chaos.“ Ich atme. Ich schreibe. Ich bleibe. Ich kann das Leben nicht lenken. Aber ich kann anwesend sein. Ich kann wirken. Ich kann vertrauen. Und das reicht. — Mirjam Anna Casella

In wie viele Boxen lässt du dich boxen?

In wie viele Boxen lässt du dich boxen?

Ich sitze hier. Zwischen Tag und Nacht. Die Stadt schläft. Meine Gedanken tanzen barfuß durch den Raum. Und ich frage mich: Bin ich eine Nachteule? Ein Morgenmensch? Oder vielleicht ... einfach nur ich? Wann haben wir begonnen, unser grenzenloses Wesen in kleine Boxen zu pressen? Frühaufsteher. Nachtmensch. Chaotin. Strukturqueen. Als wäre das Leben eine Checkliste, eine Excel-Tabelle. Als müssten wir uns entscheiden. Aber was, wenn ich beides bin? Was, wenn ich mehr bin? Ich bin Sonne und Mond. Ich bin Stille und Sturm. Ich bin Leichtigkeit und Tiefe. Und jede Schublade, in die ich mich stecke, wird früher oder später zu klein. Wie oft haben wir versucht, die Magie eines Moments zu kopieren – nur um sie in der Wiederholung zu verlieren? Erfolg festzuhalten. Freude zu konservieren. Liebe zu katalogisieren. Aber Leben ... Leben will frei sein. Leben will atmen. Leben will überraschen. Vielleicht geht es gar nicht darum, herauszufinden, wer wir sind – sondern mutig genug zu sein, immer wieder neu zu werden. Heute weiß ich: Ich passe nicht in eine Box. Ich passe nicht einmal in einen Satz. Ich bin eine lebendige Welle. Ein kosmisches Fragezeichen. Eine Einladung an mich selbst: Erinnere dich. Du musst dich nicht entscheiden, um ganz zu sein. Also frage ich dich: In wie viele Boxen hast du dich gezwungen, nur um verständlicher zu wirken – für eine Welt, die deine Tiefe nie ganz begreifen wird? Vielleicht ... geht es gar nicht darum, verstanden zu werden. Sondern darum, sich selbst nie wieder zu verraten. Keine Box. Kein Label. Keine Schublade. Nur du. Und deine grenzenlose Wahrheit. — Mirjam Anna Casella

Choose your Challenges - statt Visionboardglitzer.

Wähle deine Herausforderungen - nicht nur dein Visionboard

Ich erinnere mich. Sechs Jahre ist es her. Eine Mentorin hat mir einen Satz gesagt, der mein Denken auf leise, aber radikale Weise verändert hat: Wähle deine Herausforderungen. Nicht nur dein Visionboard. Damals hat es mich erwischt. Tief. Echt. Weil ich gespürt hab: Genau darum geht’s. Die meisten von uns malen sich ein Visionboard mit Licht. Sonnenuntergänge, Palmen, ein Job mit Sinn, eine Liebe mit Tiefe, ein Alltag wie aus einem guten Film. Und weißt du was? Das ist schön. Wirklich. Ich liebe Visionboards. Ich liebe Träume. Aber... das Leben fragt dich nicht nur, was du willst. Es fragt dich auch: Was bist du bereit zu tragen? Was bist du bereit zu halten? Wo wächst du – nicht nur, wenn’s leicht ist, sondern auch, wenn’s unbequem wird? Denn jede Entscheidung hat zwei Seiten. Und jede davon kommt mit einem Preis. Nicht im Sinne von „zu teuer“ – sondern im Sinne von: Womit willst du leben? Selbstständig? Du entscheidest selbst, wo du arbeitest, wann, wie, mit wem. Aber du trägst auch dein Risiko. Deine Verantwortung. Deine Zweifel. Deine eigene Sicherheit. Angestellt? Fixer Lohn. Klare Strukturen. Aber manchmal sitzt du da und spürst dich kaum. Und fragst dich, wo deine Lebendigkeit geblieben ist. Schweiz. Kapstadt. Bali. Jeder Ort hat Magie. Und jeder Ort fordert etwas von dir. Heimat ist kein Ort – Heimat ist ein Gefühl, das du dir mitbringst. Und dann: Liebe. Single. Beziehung. Familie. Keins davon ist die Antwort. Alle drei sind Wege. Jeder mit eigenen Fragen. Mit eigenen Spiegeln. Mit eigenem Wachstum. Also... welche Herausforderungen reizen dich? Welche rufen dich nicht nur, wenn alles fließt, sondern auch, wenn’s mal eng wird? Denn am Ende wählst du nicht nur das Bild. Du wählst den Weg. Den Alltag. Den Prozess. Und vielleicht ist genau da der größte Shift: Nicht fragen: Was will ich erleben? Sondern: Womit will ich leben – auch, wenn keiner zuschaut? Worin will ich wachsen, Tag für Tag? Denn das ist dein Leben. Dein Rhythmus. Dein Spielfeld. Und du darfst entscheiden: Nicht perfekt. Sondern bewusst. Also: Welche Herausforderung wählst du heute – aus ganzem Herzen? — Mirjam Anna Casella

Less doing - more living?

Less doing - more living?

Ich wollte nur schnell Macadamia-Milk kaufen. Ganz fix. Kurz raus – gleich wieder rein. Doch dann… landete ich – wie so oft – mitten in einer Lebenslektion. Zwischen Wandkunst, Kapstadt-Vibes und Hundeleine in der Hand führt mich mein vierbeiniger Teacher zurück zu mir. Denn schnell? Geht hier gar nichts. Er bleibt stehen. Schnuppert. Besteht auf jeden einzelnen Grashalm, jede Ecke, jede Spur. Und ich? Versuche – mal wieder – Geduld zu atmen. Während das Leben mir flüstert: „Less doing – more living?“ Ein Satz, den wir lieben auf Quote-Kacheln. Ein Satz, den wir denken – aber selten wirklich leben. Denn da draußen? Ist es laut. Laut mit „mehr“. Laut mit „schneller“. Laut mit „jetzt“. Doch wohin rennen wir eigentlich so schnell? Und was verlieren wir, wenn wir uns selbst dabei überholen? Ich glaube, der wahre Luxus heute ist nicht Geld. Nicht Follower. Nicht Status. Es ist: Zeit. Präsenz. Verbindung. Und ich erinnere mich: Mein allererster Insta-Post – lange bevor ich wusste, was wirklich zählt – war: „We can go faster alone. But further together.“ Und heute? Lebe ich genau das. Ich koche für die Liebe. Schließe mein Atelier. Arbeite abends nicht. Tanze lieber mit meinen Soulsisters als durch KPIs zu hetzen. Bin ich deshalb „weiter“? Vielleicht nicht. Bin ich verbundener? Oh yes. Denn was bringt dir der lauteste Applaus, wenn niemand da ist, der dich danach in den Arm nimmt? Wer wartet, wenn du von der Bühne kommst? Wer sieht dich – wenn du glänzt… aber innerlich müde bist? Ich glaube an Erfolg auf feminine Weise. An Business mit Herz. An Körper, die nicht nur leisten, sondern leuchten. Denn weniger Doing kann mehr Living sein. Und manchmal beginnt das große Erinnern nicht in einem Retreat – sondern auf dem Weg zum Supermarkt. Mit einem Hund, einer Bordsteinkante und einer Packung Macadamia-Milk. — Mirjam Anna Casella

We Don’t Need More Gurus

We Don’t Need More Gurus

Noch ein „In fünf Schritten zu …“ Noch ein Versprechen, dass das Leben übersichtlich, linear und planbar sei. Ich glaube, viele von uns sind müde. Nicht laut müde. Eher still. Müde von Perfektionsversprechen. Müde von Menschen, die so tun, als hätten sie es verstanden – und würden es jetzt weiterreichen. Sokrates wusste es schon: Je mehr ich weiß, desto mehr weiß ich, dass ich nichts weiß. In einer Welt voller Schritt-für-Schritt-Anleitungen ist das kein besonders sexy Gedanke. Aber vielleicht ein notwendiger. Ich liebe Inspiration. Ich liebe Austausch. Ich glaube an Mentoring, Begleitung, Spiegel. Und gleichzeitig frage ich mich: Wann haben wir begonnen, Leben wie ein To-do-Listen-Projekt zu behandeln? Wann wurde Weisheit zu einem gut verpackten Infopaket? Und wann haben wir verlernt, uns selbst zu befragen, statt sofort nach Antworten zu suchen? Wir googeln, bevor wir fühlen. Wir konsumieren, bevor wir kreieren. Dabei liegt das Wesentliche oft nicht im Shortcut, sondern im Umweg. Nicht im Wissen, sondern im Erleben. Vielleicht brauchen wir gerade keine neuen Gurus. Sondern mehr Menschen, die den Mut haben, nicht alles zu wissen. Menschen, die ihre Fragen nicht verstecken. Die nichts verkaufen müssen, um wertvoll zu sein. Die Räume öffnen, statt Lösungen zu verteilen. Ich bin nicht hier, um dir einen Weg zu zeigen. Ich bin hier, um gemeinsam zu erkunden. Nicht schneller. Nicht höher. Sondern echter. — Mirjam Anna Casella

Die müde Generation

Die müde Generation – und warum wir trotzdem nicht schlafen

Die müde Generation – und warum wir trotzdem nicht schlafen Ich habe das Gefühl, wir sind müde. Nicht „schlecht geschlafen“-müde. Sondern tief. Grundsätzlich. Gesellschaftlich. Wenn ich Menschen zwischen 25 und 45 begegne, höre ich immer wieder dieselben Worte: erschöpft. überfordert. voll. Von Kindern. Von Karrieren. Vom ständigen Funktionieren. Oder einfach… vom Leben. Ich frage mich manchmal: Waren die Generationen vor uns auch so müde? Oder ist das etwas, das uns gehört? Wir sind die Generation, die noch ohne Smartphones aufgewachsen ist. Ohne Push-Nachrichten. Ohne Dauervergleich. Ohne das Gefühl, alles gleichzeitig sein zu müssen. Und dann – fast über Nacht – wurden wir hineingeworfen in eine Welt aus Bildschirmen, Erwartungen und Dauerverfügbarkeit. Vielleicht ist es das: Wir kennen beides. Das Davor. Und das Danach. Und unser Nervensystem zahlt den Preis. Ich gehe oft mit meinem Hund durch die Straßen und beobachte Menschen. Kaffee in der Hand. Blick müde. Augen am Bildschirm. Und ich frage mich: Wann habe ich zuletzt jemanden getroffen, der einfach wach wirkte? Nicht aufgeputscht. Nicht „busy“. Sondern lebendig. Fast verdächtig lebendig. Müdigkeit ist heute kein Warnsignal mehr. Sie ist ein Statussymbol. Ein stilles Abzeichen: „Schau, wie viel ich trage.“ Wir erzählen einander von unserer Erschöpfung, als wäre sie der Beweis, dass wir dazugehören. Dass wir wichtig sind. Dass wir leisten. Und vielleicht stimmt das sogar – in einem System, das keine Pausen kennt. Flexibilität nennen wir Freiheit, aber oft ist sie nur ein anderes Wort für: keine Grenzen. Homeoffice. Chats. Mails. Arbeit, die nie ganz endet – auch dann nicht, wenn der Körper längst zuhause ist. Dazu der Anspruch, alles richtig zu machen: gesund sein. präsent sein. erfolgreich sein. bewusst sein. Und bitte auch noch leicht. Kein Wunder, dass wir müde sind. Vielleicht ist diese Müdigkeit kein persönliches Versagen. Sondern ein kollektiver Hinweis. Ein leiser Weckruf. Dass etwas nicht mehr stimmt mit dem Tempo. Mit dem „Mehr“. Mit dem ständigen Über-uns-hinausgehen. Manchmal, abends nach einem langen Spaziergang, frage ich mich: Wann haben wir gelernt, dass ständige Erschöpfung normal ist? Und warum es fast irritiert, wenn jemand ruhig, klar und lebendig wirkt. Vielleicht liegt die Antwort nicht im nächsten Tool oder im besseren Zeitmanagement. Vielleicht liegt sie in den kleinen Dingen: Licht auf Asphalt. Der Geruch von Kaffee. Ein echtes Lachen. Vielleicht darin, uns selbst wieder zu erlauben, zu sein – ohne Optimierung. Ohne Vergleich. Ohne Beweis. Wir sind müde. Ja. Aber vielleicht können wir trotzdem lernen, nicht nur zu überleben – sondern wieder zu strahlen. Langsam. Ehrlich. Atemzug für Atemzug. Und vielleicht ist genau das die stille Revolution unserer Zeit: weniger Leistung. mehr Lebendigkeit. — Mirjam Anna Casella

Struktur + Chaos?!

„Strukturiertes Chaos – weil dein Leben kein Uhrwerk ist.“

Tick. Tack. Tick. Tack. Leben wir, oder laufen wir einfach nur mit? Passen wir uns an den Rhythmus der Welt an, oder erschaffen wir unseren eigenen Beat? Und vor allem – wann genau haben wir eigentlich angefangen zu glauben, dass es ein Entweder-Oder sein muss? Die Schweiz ist präzise. Ein Uhrwerk, in dem jedes Rad perfekt ins nächste greift. Struktur. Ordnung. Sicherheit. Und dann bin ich losgezogen – dorthin, wo das Leben wuchert. Kapstadt, Bali, Portugal. Orte, an denen Pläne nur vage Vorschläge sind und das Schönste oft genau dann passiert, wenn nichts passiert. Doch was ist die perfekte Balance? Wann ist Struktur ein Halt – und wann ein Käfig? Wann ist Chaos pure Freiheit – und wann einfach nur der Moment, in dem du dich selbst verlierst? Struktur ist wie ein Bilderrahmen. Ohne ihn zerfließt das Leben. Aber ohne das Bild bleibt er nur ein leerer Rahmen. Chaos ist die Farbe. Es spritzt wild, verläuft, atmet. Aber ohne Rahmen – verliert es seine Form. Und genau dazwischen entsteht Kunst. Ein Leben, das beides kann. Struktur und Flow. Kontrolle und Hingabe. Plan und Magie. Also habe ich mir meine fünf Goldnuggets gesetzt. Nicht als starre Regeln. Sondern als Leitplanken, wenn das Chaos zu wild wird. Als kleine Anker, wenn ich mich in zu viel Struktur verliere. Denn letztendlich ist das Leben kein Uhrwerk. Es ist eine Permakultur. Wild. Durchdacht. Frei. Ein Tanz zwischen Rhythmus und Instinkt. Und ich frage mich: Wann hast du das letzte Mal die Regeln gebrochen – nur, um eine schönere Wahrheit zu erschaffen? Wann hast du dich zuletzt verloren – und genau darin gefunden? Wann hast du dich selbst gefragt: Brauche ich mehr Struktur? Oder ein bisschen mehr Chaos? Tick. Tack. Tick. Tanz. — Mirjam Anna Casella

Wahr-nehmung - nicht Falsch-nehmung.

Über das Wissen vor den Worten

Ich war schon als Kind ... anders. Oft still. Aber innerlich laut. Ich hab Dinge gehört, die nie ausgesprochen wurden. Stimmungen gelesen wie Überschriften. Gefühle geahnt, bevor sie jemand zugeben konnte. Ich dachte, das sei normal. Bis ich irgendwann merkte: Meine Wahrnehmung machte andere nervös. Ich war das Mädchen, das „zu viel wusste“. Zu schnell spürte. Zu tief fühlte. Und statt gefeiert zu werden, lernte ich, mich zurückzunehmen. Zu filtern. Zu verformen. Zu verschweigen. Ich wusste nicht, dass Wahrnehmung erstmal nur das ist: wahr. Nicht richtig. Nicht falsch. Einfach ... wahr. Ein inneres Echo auf das, was da ist – noch bevor es jemand benennen kann. Die ersten, die mir das spiegelten – waren keine Lehrer:innen. Es waren: Klientinnen. Mentorinnen. Kolleginnen. Sie sagten Dinge wie: „Wie hast du das so schnell gespürt?“ „Das hat noch nie jemand in Worte fassen können.“ „Du hast mir mehr gegeben, als ich erwartet hatte.“ Ich war 20. Und zum ersten Mal dachte ich: Vielleicht ist meine Art zu fühlen kein Fehler – sondern ein Geschenk. Ich erinnere mich auch an meinen allerersten Coaching-Rat: „Gib nie ungefragt Ratschläge.“ (Lol – fair point. Ich musste es auf die harte Tour lernen.) Denn meine Wahrnehmung war oft schneller als mein Gegenüber bereit war zu hören. Heute weiß ich: Wahrnehmung ist erstmal nur: Wahr-Nehmung. Nicht Falschnehmung. Nicht Überreaktion. Nicht Drama. Nicht Empfindlichkeit. Und ich wünsche mir, dass wir das den jungen Menschen heute sagen: Wenn du viel fühlst, viel spürst, viel denkst – du bist nicht komisch. Du bist nicht zu sensibel. Du bist wach. Wir alle haben Zugang zu dieser Tiefe. Einige haben ihn einfach nie verlernt. Und weißt du was? Früher nannte ich es „komisch sein“. Heute nenne ich es: eine Gabe. Mein Kompass. Meine Superpower. — Mirjam Anna Casella

Effizienz-süchtig?

Sind wir süchtig nach Effizienz – und wann haben wir vergessen zu sein?

Wann hast du das letzte Mal etwas getan, einfach nur um seiner selbst willen? Ohne versteckte Agenda, ohne Ziel, ohne die Hoffnung auf irgendeinen „Mehrwert“? Heute saß ich im Hundepark unter einem Baum, während sanfter Herbstregen durch die Blätter tropfte. Ich atmete tief durch – ein Moment des puren Seins. Keine Podcast-Folge im Ohr, keine achtsame Gehmeditation. Einfach nur ich, der Baum und der Regen. Und wie jedes Mal, wenn ich mir diesen Raum nehme, denke ich: Davon brauche ich mehr. Reduktion ist seit Jahren eines meiner Lebensmottos. Doch während ich da saß, kam mir plötzlich ein unerwarteter Gedanke: Ich möchte ein Blatt mitnehmen, es trocknen und es malen. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht, weil ich das als Kind oft gemacht habe. Sofort schlich sich ein Lächeln auf mein Gesicht – kindlich, verspielt. Doch fast im selben Moment kam die harte, erwachsene Stimme in meinem Kopf: Und was bringt dir das? Was hast du davon? Autsch. Wie sehr haben wir es uns antrainiert, dass alles effizient sein muss? Dass jede Handlung uns voranbringen, optimieren, smarter oder gesünder machen soll? Vielleicht kennst du das auch: Jede freie Minute wird „genutzt“, jeder Moment optimiert. Selbst Entspannung hat heute eine Produktivitäts-Checkliste: Ist es Meditation? Achtsamkeit? Hat es einen Nutzen? Ich liebe ein purposeful Leben. Aber vielleicht brauchen wir auch wieder mehr scheinbar sinnlose, ineffiziente Tätigkeiten in unserem Alltag. Denn wenn ich ehrlich bin, spenden sie oft mehr Kraft als die nächste abgehakte To-do-Liste oder die perfekte Meditationssession. Wir sind süchtig nach Effizienz und unmittelbaren Resultaten. Wir wollen tun – und sofort sehen, dass es sich „gelohnt“ hat. Aber what we don’t use, we lose. Was passiert mit uns, wenn wir unsere Verspieltheit, unsere Neugier und die Kunst des nachhaltigen Erschaffens verlieren? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur: Ich möchte wieder mehr Dinge tun, einfach nur um ihrer selbst willen. Und jetzt? Jetzt werde ich dieses Blatt malen. Einfach so. — Mirjam Anna Casella

Und wie verändert das die Welt?

Und wie verändert das die Welt?

Neulich hatte ich ein Gespräch mit einem Freund. Ich erzählte ihm von Dingen, die ich gerade ausprobiere. Kleine Veränderungen im Alltag. Beobachtungen. Experimente am eigenen Leben. Irgendwann unterbrach er mich und fragte: „Und wie verändert das die Welt?“ Ich musste lachen. Nicht spöttisch. Eher ehrlich. In den letzten Jahren habe ich aufgehört, das Große erzwingen zu wollen. Weltrettung im großen Stil erschöpft mich schneller, als sie etwas bewegt. Stattdessen schaue ich genauer hin. Auf das, was direkt vor mir liegt. Auf meine Entscheidungen. Auf meine Haltung. Auf das, was ich lebe – nicht nur denke. Nach dem Gespräch saß ich da, mit einem Glas alkoholfreiem Rotwein in der Hand, und dachte weiter. Vielleicht überschätzen wir den großen Wurf. Und unterschätzen den Ripple Effect. Denn Veränderung beginnt selten global. Sie beginnt im Kleinen. Bei mir. Bei dir. Im Alltag. Ich habe viele Menschen getroffen, die die Welt verändern wollen – und dabei vergessen, ihr eigenes Leben kongruent zu gestalten. Vielleicht liegt genau dort der Schlüssel. Nicht irgendwo da draußen. Sondern hier. In dem, wie wir zuhören. Wie wir entscheiden. Wie wir bleiben, wenn es unbequem wird. Also mache ich weiter. Verändere meine kleine Welt. Schreibe diese Gedanken auf. Nicht wissend, wen sie erreichen. Vielleicht berühren sie jemanden. Vielleicht lösen sie etwas aus. Vielleicht entsteht daraus Bewegung. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur: Es ist genug, jeden Tag so zu leben, dass das Innere und das Äußere sich nicht widersprechen. Von Mikro zu Makro zu Global. Und vielleicht passiert genau dann das wirklich Große. — Mirjam Anna Casella

Getting Bored from Being Bored

Getting Bored from Being Bored

Es gibt Tage, da fühlt sich mein Inneres an wie ein Glas kurz vor dem Überlaufen. Zu viele Eindrücke. Zu viel Bewegung. Zu viel Leben – und doch zu wenig Ankommen. Manchmal habe ich das Gefühl, ich sitze auf einer Achterbahn, die ständig bergauf fährt und nie innehält. Gedanken rasen. Erlebnisse überholen sich. Und ich merke: Ich war überall – nur nicht ganz hier. Heute Morgen, kurz nach zehn, war ich wieder im Machen. Klick. Weiter. Noch eins. Autopilot. Dann ein Stopp. Kein großer. Eher ein innerer. Ich fragte mich: Was brauchst du gerade? Die Antwort kam leise: Integration. Nicht noch ein Erlebnis. Nicht noch ein Schritt. Sondern Raum für all das, was schon da ist. Später sagte mein Partner einen Satz, der hängen blieb: Getting bored from being bored. Ich musste lächeln. Boredom? Ich kenne das kaum. Mein Leben war selten langweilig. Und doch spürte ich: Vielleicht ist genau das der Punkt. Was, wenn Langeweile nicht das Gegenteil von Leben ist – sondern der Moment, in dem ich es endlich fühlen kann? Ohne nächsten Schritt. Ohne FOMO. Ohne Ziel. Vielleicht ist Langeweile kein Mangel, sondern ein Übergang. Ein Raum, in dem das Machen leiser wird und das Sein wieder hörbar. Vielleicht ist das die leise Revolution: nicht weiter zu rennen, sondern zu bleiben. Nicht mehr zu suchen, sondern zu spüren. Und vielleicht beginnt genau dort das, was wirklich trägt. — Mirjam Anna Casella

Ich halte zu viel

Ich halte zu viel

Ich halte zu viel. Nicht laut. Eher still. Wie Wasser in einer Tasse, die längst feine Risse hat. Ich nippe weiter, als könnte ich so verhindern, dass etwas ausläuft. Ich halte Gedanken, die nicht aus meinem Herzen kommen. Gefühle, die eigentlich weiterziehen wollen. Erwartungen, die nie meine waren. Ich halte mich selbst oft härter, als ich müsste. Als wäre ich aus Stahl. Und vergesse dabei, dass ich auch aus Wasser bin. Ich halte Räume, in denen mein Atem flach wird. Halte Stille, weil Worte zu viel wären. Halte Schmerz, weil ich glaube, ihn sonst nicht auszuhalten. Doch irgendwann wird das Wasser schwer. Schwerer als mein Wille. Schwerer als mein Durchhalten. Und es beginnt zu drängen. Nicht laut. Eher wie ein leises Nein. Wie eine Erinnerung daran, dass Fließen kein Versagen ist. Was, wenn Stärke nicht im Halten liegt, sondern im Nachgeben? Was, wenn Mut nicht bedeutet, alles auszuhalten – sondern sich selbst zu erlauben, weicher zu werden? Heute lasse ich los. Nicht alles. Nicht auf einmal. Eher vorsichtig. Tröpfchen für Tröpfchen. Ich öffne etwas in mir und lasse zu, dass Bewegung entsteht. Nicht ungeordnet. Nicht haltlos. Sondern geführt. Ich bin nicht nur Stahl. Ich bin auch Wasser. Und vielleicht geht es gar nicht darum, perfekt zu halten oder perfekt loszulassen. Vielleicht geht es darum, den Rhythmus zwischen beidem zu finden. Und sich darin immer wieder neu zu begegnen. — Mirjam Anna Casella

Weniger tun. Mehr wirken.

Weniger tun. Mehr wirken.

Ich sitze an einem Winterabend am Tisch. Das Glas halbvoll. Das Journal offen. Draußen wird es still. Und drinnen auch. In dieser Stille spüre ich plötzlich Bewegung. Nicht laut. Nicht sichtbar. Aber echt. Weniger tun. Mehr wirken. Klingt fast zu simpel, oder? Als wäre Wirksamkeit immer laut. Als müsste sie sichtbar sein. Messbar. Beweisbar. Und doch weiß ich inzwischen: Das, was wirklich trägt, entsteht selten im Hustle. Es entsteht im Bleiben. Ich habe heute nichts Großes getan. Keine Liste abgearbeitet. Kein Feuerwerk gezündet. Kein Ergebnis produziert, das man herzeigen könnte. Und trotzdem bin ich zufrieden. Nicht, weil ich viel geschafft habe. Sondern weil ich da war. Verbunden. Anwesend. Mit mir. Mit dem Moment. Mit dem, was gerade zählt. Diese kleinen, täglichen Gesten – die niemand sieht, aber die mich halten. Nicht perfekt. Nicht ideal. Aber wiederholbar. Das Menschentier in mir liebt nicht das Große. Es liebt das Machbare. Das, was ich auch morgen noch tun kann. Nicht alles auf einmal. Sondern stetig. So wird Wirksamkeit keine Ausnahme mehr. Sondern eine Haltung. Eine Entscheidung. Eine leise Form von Treue mir selbst gegenüber. Am Ende des Tages, wenn das Glas leer ist und mein Herz voll, sage ich mir: Du bist genug. Nicht, weil du alles geschafft hast. Sondern weil du geblieben bist. Weil du dich nicht verloren hast, während du gewachsen bist. Vielleicht magst du dich fragen: Was darf diese Woche durch dich wirken – auch ohne Applaus? Vielleicht liegt die Antwort nicht in der To-do-Liste. Sondern im Atmen. Im Schreiben. Im Sein. Ich lege mein Journal zur Seite. Atme tief ein. Und weiß: Ich habe heute nicht viel getan. Und doch – habe ich gewirkt. Und das reicht. — Mirjam Anna Casella

Wann wurde Resilienz eigentlich so hart?

Wann wurde Resilienz eigentlich so hart? Ein Versuch, sie neu zu denken

Resilienz. Dieses Wort klingt nach Durchhalten. Nach Zähnen zusammenbeißen. Nach Funktionieren. Nach: Augen zu und durch. Aber was, wenn Resilienz heute etwas anderes braucht? Nicht mehr Härte. Nicht noch mehr Abgrenzung. Sondern Verbindung. Nicht das Wegdrücken von Gefühl. Und auch nicht das Verlieren darin. Ich frage mich oft: Was bedeutet es wirklich, handlungsfähig zu bleiben in einer Welt, die laut ist, komplex, überfordernd? Ich sehe Menschen, die nichts mehr spüren wollen – und andere, die von allem überschwemmt werden. Zwischen Abstumpfung und Überforderung scheint etwas verloren gegangen zu sein. Vielleicht ist Resilienz kein Panzer. Aber auch kein Zusammenbrechen. Vielleicht ist sie ein weiches Rückgrat. Die Fähigkeit, berührbar zu bleiben und trotzdem weiterzugehen. Nicht, weil nichts weh tut. Sondern gerade, weil es weh tut. Nicht alleine. Nicht perfekt. Aber ehrlich. Vielleicht braucht diese Art von Stärke ein neues Bild. Oder ein neues Wort. Eine Herzstärke. Eine Präsenz, die sagt: Ich bin da. Ich fühle. Und ich handle – so gut ich gerade kann. Resilienz hat keinen Stahlkern. Sie hat einen Herzschlag. Und vielleicht klingt er so: Ich bleibe. Ich spüre. Und ich gehe weiter. — Mirjam Anna Casella

Macht & ein grosses Herz

Macht und ein großes Herz – ein Widerspruch?

Sonntagnachmittag. Lieblingscafé. Kakao in der Hand, Journal auf dem Tisch. Ich bin in einer heißen Affäre, mit den großen Fragen des Lebens. Macht. Wer hat sie? Wer nicht? Warum dieses „entweder/oder“, wo bleibt das „und“? Ich schrieb Namen auf, Menschen, die mich formten, die mir zeigten, was Einfluss bedeutet – oder eben nicht. Visionärinnen, Kreative, Weltverbesserer. Und fragte mich: „Warum ist das Bild von Macht so… schräg?“ Warum so verdreht in unserer Landschaft? Kaltes Herz und machtvoll – Check. Gutes Herz und… nett, aber nicht wirklich einflussreich? Auch Check. Warum? Wieso? Ist das wirklich das System? Oder nur ein Narrativ, das wir glauben? Vielleicht verwechseln wir Macht mit Manipulation und Kontrolle. Doch wahre Macht? Die ist anders. Selbstführung. Klarheit. Präsenz. Das Wissen, dass ich gestalten kann. Dass ich verändern kann. Dass ich mich selbst halten kann. Und doch – wie oft lassen wir Macht links liegen? Weil wir denken, zu viel Herz macht uns schwach. Macht gehört den Lauten, den Abgebrühten. Oder haben wir das nur zu oft gehört, gesehen, gefühlt seit Kindertagen? Die abgebrühten Machtmenschen – perfekt gestylt, Blazer maßgeschneidert, polierte Schuhe, Haltung aus Stahl. Und die Strahlenden, die Herzvollen? Voller Leben, aber der Körper trägt nicht dieselbe Würde. Schlabberschlook statt hier-bin-ich-Statement. Und ist das nicht auch ein Teil des Problems? Macht wird zur Verpackung. Im Look, im Status, im Spiel. Während Herz… naja, Herz trägt bequeme Hosen, und trinkt Tee, ganz ohne Druck. Aber warum nicht beides haben? Warum nicht Herz UND Stil? Warum nicht Tiefe UND Standing? Einfluss UND Integrität? Vielleicht ist genau das unser Auftrag. Uns nicht entscheiden zu müssen: Herz oder Macht? Warum nicht beides? Warum nicht wir? Warum nicht jetzt? Vielleicht ist die Zeit gekommen, dass Menschen mit einem großen Herz endlich auch große Macht übernehmen. Nicht, weil sie es können, sondern weil sie es müssen. Ja, ich weiß, wir mögen nicht „müssen“. Aber vielleicht müssen wir hier einfach „müssen“. Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wirklich sehr, weil ich sie vermisse: die großen Herzen mit Macht. Und ja, ich nehme mich selbst auch an der Nase. — Mirjam Anna Casella

Wo sind deine Füße?

Wo sind deine Füße?

Manchmal frage ich mich, ob ich wirklich hier bin. Oder ob mein Kopf längst bei der nächsten Idee steht, während mein Herz hinterherhinkt, leicht benommen vom Tempo. Und dann denke ich: Moment. Wo sind eigentlich meine Füße? Wir leben in einer Welt, die ständig nach vorne zieht. Mehr. Weiter. Nächster Schritt. Nächste Vision. Als wäre das Leben eine Abfolge von Durchbrüchen. Aber wann haben wir zuletzt einfach nur gestanden? Ohne Plan. Ohne Ziel. Ohne Geschichte darüber. Nur hier. Jetzt. Grounding ist für mich kein Trend. Kein Tool. Kein ästhetischer Moment. Es ist der Augenblick, in dem ich merke: Ah. Da bin ich. Mit meinem Gewicht. Meiner Schwerkraft. Meinem Atem. Nicht höher. Nicht weiter. Sondern tiefer. Grounding ist das leise Netz, das mich hält, wenn alles andere wackelt. Kein Müssen. Kein Werden. Kein Optimieren. Nur ein stilles: Es reicht. Und vielleicht ist genau das die größte Klarheit. Nicht zu wissen, wohin ich will – sondern zu spüren, wo ich stehe. Also frage ich dich: Wo sind deine Füße gerade? Spürst du den Boden? Oder bist du schon wieder unterwegs woanders? Steh. Atme. Bleib einen Moment. Erde unter den Füßen. Herz im eigenen Takt. — Mirjam Anna Casella

Der Moment vor dem Klick

Der Moment vor dem Klick - zwischen Kreation und Sichtbarkeit

Ich sitze in meinem Atelier in Kapstadt. Der Laptop auf den Knien. Neben mir ein Espresso. Draußen dieser weite, blaue Himmel. Alles ist bereit. Das Werk ist geschrieben. Gedacht. Gestaltet. Es fehlt nur noch eins: der Klick. Veröffentlichen. Teilen. Sichtbar werden. Ein kleiner Moment. Und doch ein großer Schritt. Ich kenne ihn gut. Seit Jahren erschaffe ich. Ich liebe diesen Teil: das Eintauchen, das Verschwinden im Prozess. Und dann kommt er immer wieder – dieser Augenblick, in dem das Innere nach außen soll. Nicht laut. Aber deutlich. Zwischen Klick und Welt liegt ein Atemzug. Ein kurzes Innehalten. Und oft auch Angst. Nicht die dramatische. Eher die leise: Was, wenn es niemanden berührt? Was, wenn ich mich zeige – und nichts zurückkommt? Wie viele Dinge bleiben wohl genau hier liegen? In Ordnern. In Notizen. In uns. Nicht, weil sie schlecht sind. Sondern weil dieser letzte Schritt Mut braucht. Ich habe gelernt: Es gibt keinen Moment, in dem sich alles sicher anfühlt. Keinen perfekten Zeitpunkt. Kein endgültiges „Jetzt bin ich bereit“. Und vielleicht ist genau das der Punkt. Nicht zu warten, bis keine Angst mehr da ist. Sondern zu gehen, während sie noch da ist. Also drücke ich den Button. Nicht, weil alles geklärt ist. Sondern weil es wahr ist. Und das genügt. — Mirjam Anna Casella

Brauchen wir die Endlichkeit?

Brauchen wir die Endlichkeit, um wirklich zu leben?

Es gibt diese Nächte. Das Fenster ist offen. Die Stadt schläft. Und mein Herz stellt Fragen, die tagsüber keinen Platz finden. Brauchen wir die Endlichkeit unseres Daseins, um wirklich zu leben? Mit jedem Geburtstag wird mir deutlicher: Dieses Leben ist kein Probelauf. Kein Vorspiel. Kein „später mache ich es besser“. Wir werden gehen. Früher oder später. Ohne gefragt zu werden. Und trotzdem leben wir oft, als hätten wir Zeit auf Vorrat. Morgen. Irgendwann. Wenn ich bereit bin. Doch was, wenn dieses Morgen nie kommt? Wenn Krankheit oder Verlust plötzlich sichtbar machen, was wir verschoben haben: Worte. Umarmungen. Entscheidungen. Abends sehe ich mich im Spiegel und frage mich leise: Was würde ich vermissen, wenn heute mein letzter Tag wäre? Nicht die großen Dinge. Keine Pokale. Keine perfekten Bilder. Sondern Nähe. Ehrlichkeit. Diese kleinen, echten Momente, die niemand festhält – außer dem Leben selbst. Vielleicht geht es gar nicht darum, alles auszukosten. Vielleicht geht es darum, nicht länger zu warten. Heute zu sagen, was wahr ist. Heute zu leben, ohne Garantie auf morgen. Nicht dramatisch. Nicht perfekt. Sondern anwesend. Also frage ich mich – und dich: Wofür würdest du heute aufstehen, wenn dieser Tag kein Versprechen auf Wiederholung hätte? Vielleicht ist genau das Leben. Nicht irgendwann. Sondern jetzt. — Mirjam Anna Casella

"Manche Worte sind kein Ziel.
Sie kommen mit."

Für Publikationen oder Kooperationen gerne Kontakt aufnehmen.

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